Nachhaltigkeit

Die Anstrengungen, die die Franciacorta schon immer, und in den letzten Jahren in noch einschneidender und überzeugter Weise unternommen hat, bestehen darin, einen Weinbau ins Leben zu rufen, der ein Gleichgewicht mit der Umwelt anstrebt und der die natürlichen Ressourcen bewahrt, indem er sie aufwertet.
Diese Bemühungen finden konkreten Ausdruck in den täglichen landwirtschaftlichen Praktiken und den Anbau-Entscheidungen, bereits bei der Pflanzung des Weinbergs. Die Leitprinzipien sind diejenigen, immer nach den Grundsätzen der Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit zu handeln. Es ist daher eine Priorität, die unmittelbaren und zukünftigen Auswirkungen jedes Eingriffs auf dem Territorium (neue Pflanzungen, Modellierungen) einzuschätzen, insbesondere aus der Sicht der Umweltverträglichkeit, nicht nur der Wirtschaftlichkeit, die Kenntnis der Böden und des Territoriums in Bezug auf Potential, Grenzen und Hindernisse zu verbessern, zur Optimierung der Produktion im Einklang mit den Ressourcen und mit Hilfe des Fachwissens, die Wahl von umweltfreundlichen Materialien und wenn möglich, erneuerbare Energiequellen zu bevorzugen.
Die Reduzierung der Inputs ist das „Must“ des Weinbaus in der Franciacorta. Mit anderen Worten, die Reduzierung der Eingriffe und der Behandlungen im Weinberg sind die Leitlinie eines Weinbaus, der Qualität zu gewährleisten hat, nicht in organoleptischer und analytischer Hinsicht der Trauben, sondern auch aus der Sicht der Nachhaltigkeit der Produktion. In diesen Zusammenhang fügen sich mehrere konkrete Erfahrungen ein: Begrünungsversuche mit Pflanzenarten, die die Bearbeitungen und das Durchfahren mit Arbeitsmaschinen im Weinberg verringern und die Erhöhung der organischen Substanz im Boden fördern, oder sonstige Maßnahmen, die auf das Studium der biologischen Vielfalt, auf ihre Erhaltung und Zunahme ausgerichtet sind. Der Untergrund beherbergt die Wurzeln, ein gesundes und ausgeglichenes Ökosystem und ermöglicht eine optimale Wurzelaktivität, eine der Voraussetzungen für effiziente und gesunde Pflanzen.
Alle Winzer hier bemühen sich um die Umsetzung landwirtschaftlicher Praktiken, die eine geringe Arbeitsintensität verlangen. Für den Bodentyp angemessene Dichte und Pflanzmuster, verbunden mit einer umsichtigen Behandlung der Rebzeilen und Zwischenreihen (Begrünung, Versorgung mit organischer Substanz) tragen zur Beseitigung oder drastischen Reduzierung der Düngung bei. Sachgerechte Bearbeitung des Laubwerks mindert die Ansammlung von Feuchtigkeit um die Trauben und behindert die Verbreitung von vielen Pilzkrankheiten der Rebe. All dies führt zu einer deutlichen Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, sowohl was die Reduzierung der Anzahl Behandlungen als auch eine drastische Senkung der Dosierungen angeht. Dem gleichen Zweck dient die Verwendung moderner und effizienter Anwendungsmaschinen, um die Effizienz der Anwendungen zu maximieren.

Neben den strikt agronomischen Aspekten kann die Franciacorta hinsichtlich der Umgebung unterschiedliche Erfahrungen vorweisen, die in Richtung Nachhaltigkeit und „Fürsorge für das Territorium“ gehen, von denen einige nationale und internationale Spitzenpositionen beanspruchen können.

DAS PROJEKT „TERRE DELLA FRANCIACORTA“ Im Jahr 2011 entsteht das Projekt „Terre della Franciacorta“ („Ländereien der Franciacorta“). Es ist ein Weg, den das Konsortium und die 18 Gemeinden der Franciacorta und die Stiftung Cogeme Onlus (Non-Profit-Organisation) in Sachen Planung eingeschlagen haben und dessen Ziel es ist, das Territorium zu erhalten und seine Besonderheiten auf allen Ebenen aufzuwerten, wodurch den Bewohnern eine hohe Lebensqualität und der wachsenden Anzahl von Touristen ein Aufenthalt von Qualität geboten wird. Das Projekt „Terre della Franciacorta“ stellt so wie es in den Produktionsrichtlinien festgelegt ist, eine Fläche von 262 km2 und einen Lebensraum für mehr als 146.000 Menschen dar.
Die Erstellung des Strategieplans der Franciacorta stützt sich auf die Förderung des kulturellen und ökologischen Erbes der Region als Hebel für die Schaffung einer nachhaltigen Wirtschaft, die die Franciacorta an andere in- und ausländische Territorien anschließt. Ziel ist es, die Franciacorta ganzheitlich zu betrachten: vom städtebaulichen, landschaftlichen, landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Standpunkt. Es handelt sich um einen freiwilligen Akt der daran teilnehmenden Partner, der nicht im Reglement vorgesehen, aber von hoher Bedeutung für die Qualität ist. Ein Pakt zwischen öffentlichen und privaten Akteuren, die ihre eigenen Interessen für das gemeinsame Interesse einer Region koordinieren.

Einheitliches reglement für den nachhaltigen einsatz von pflanzenschutzmitteln Es war die erste konkrete Handlung der Vereinigung „Terre della Franciacorta“, entstanden aus einem langen Prozess der Gegenüberstellung zwischen Gemeindevertretern, ASL (Gesundheitsbehörde), ARPA (regionale Umweltbehörde) und vom Konsortium Franciacorta koordiniert, das mithilfe der Agronomen seines Technischen Ausschusses die besten Fachkompetenzen des Gebiets zur Verfügung stellte.
Es handelt sich um eine einmalige Regelung in Bezug auf die Verwendung von Pestiziden, zur Standardisierung der Verteilungsmethoden von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau, insbesondere dort, wo städtische Bereiche und Landwirtschaft benachbart sind.
Noch einmal leistet die Franciacorta Pionierarbeit: Obwohl bereits einige Reglementierungserfahrungen auf Gemeindeebene und darüber hinaus existierten, wird zum ersten Mal eine durchdachte Ordnung verfasst, die verschiede Verteilungsregeln in spezifischen Zusammenhängen detailliert beschreibt.
Die Winzer der Franciacorta geben sich selbst restriktivere Regeln als von den geltenden Vorschriften vorgesehen. Diesmal geht es darum, durch Taten den gemeinsamen Willen zu bezeugen, Weinbau zu praktizieren, der mit Rücksichtig auf die operativen Bedürfnisse seine volle Aufmerksamkeit auf die Unversehrtheit der Umwelt richtet.
Etwas näher im Detail betrachtet schließt die Regelung vorsichtshalber einige Arten von zwar gesetzlich zulässigen Pflanzenschutzmitteln aus, schreibt aber strengere Kontrollen der Verteilungsqualität durch eine häufigere Funktionskontrolle der Landwirtschaftsmaschinen vor und wirkt der Verwendung von weniger effizienten Verteilungsmaschinen durch stärker einschränkende Normen im Vergleich zu den fortschrittlicheren Geräten entgegen. Ferner schreibt sie Pufferstreifen bei Weinbergen vor, die an urbane Wohnbereiche grenzen, deren Ausmaße entsprechend den Maschinentypen und der Ausrichtung der Reihen geregelt werden.

ITA.CA, DAS ERSTE ITALIENISCHE MODELL ZUR MESSUNG DES CO₂-FOOTPRINTS Um einen umweltfreundlichen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Weinbau zu betreiben, ist es unabdingbar, die Emission von Treibhausgasen wie Methan, Stickstoff und Kohlendioxid bestmöglich zu verringern. Daher hat sich das Schutzkonsortium Franciacorta mit einem Kontrollinstrument zur Überwachung und Messung der Treibhausgasemissionen der Unternehmen ausgerüstet, das Daten liefern und eine nachhaltigere Produktion gewährleisten soll. Ita.Ca® ist ein Messverfahren, das dank der Zusammenarbeit zwischen dem Studio Agronomico SATA (Agronomie-Büro SATA), der Universität Mailand und Instituten anderer Länder (Australien im Besonderen) entstanden ist.
Die Zielsetzung von Ita.Ca® ist in erster Linie, innerhalb der Weinproduktion (Weinberg, Keller, Vertrieb) die Emissionen von Treibhausgasen durch Messung zu erfassen.
Dabei werden drei Bereiche unterschieden: erstens Emissionen aus im Unternehmen verbrauchten fossilen Brennstoffen (z.B. durch Heizung, Transport, Maschinen etc.), zweitens Emissionen aus an anderer Stelle produzierter Elektrizität, die jedoch in den Betrieb transportiert und dort verbraucht wird, und drittens Emissionen aus Herstellungsprozessen der extern beschafften Materialien sowie aus der Abfallentsorgung.
Mehrere mit dem Modell Ita.Ca® überprüfte Betriebe haben bereits die ISO 14064 Zertifizierung (Messung der CO₂-Bilanz) beantragt und erhalten.
Sobald die größten Quellen der Treibhausgasemissionen in den einzelnen Unternehmen identifiziert sind, können Korrekturmaßnahmen definiert werden. Einige sind einfacher zu implementieren, da sie keine Investitionen erfordern, sondern im Rahmen der betrieblichen Entscheidungen umsetzbar sind. Andere hingegen sind anspruchsvoller und brauchen Zeit und Investitionen, etwa wenn strukturelle Veränderungen innerhalb eines Betriebes notwendig sind.
Die Resultate waren äußerst positiv: Im Jahr 2011 wurde eine Einschränkung der Emissionen von fast 3.000 Tonnen CO₂-Äquivalenten im untersuchten Bereich im Vergleich zum Referenzjahr 2010 verzeichnet.
Im Zeitraum 2010 bis 2011 wurde auf freiwilliger Basis eine Anzahl von Unternehmen überwacht, die ca. 60% der Rebfläche der Franciacorta DOCG bewirtschaften: 1.585 von 2.714 Hektar, für eine Produktion von 11.018.793 Flaschen von geschätzten 18 Millionen. Es zeigte sich unter anderem, dass der Herstellungsprozess (in Weinberg und Weinkeller) eine verbesserte Gesamtbilanz aufwies, da der gut geführte Weinberg durch den natürlichen Prozess der Photosynthese CO₂ absorbiert und der Atmosphäre mehr davon entzieht, als durch Produktion und Verarbeitung an sie abgegeben wird.
Die negative Bilanz in CO₂-Äquivalenten pro produzierter Flasche Franciacorta ist vorbildlich und verwandelt sich in ein Guthaben von 1,08 kg/Flasche.
Die Franciacorta war und ist bis heute die erste und einzige Region Italiens und eine der wenigen auf der Welt, die auf regionaler Ebene ein System zur Messung der Kohlendioxidemissionen anwendet.

NACHHALTIGE BEKÄMPFUNG DES TRAUBENWICKLERS MIT DER METHODE DER SEXUELLEN VERWIRRUNG Der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana), ist ein Nachtfalter, der der Rebe schwere Schäden zufügen kann, wenn auch in einer schwankenden Art und Weise, denn er wird stark von der Wetterlage beeinflusst. Er greift die Traube zu verschiedenen Zeitpunkten der Jahreszeit an (die Blüten und die in verschiedenen Stadien der Reifung gebildeten Trauben) und produziert 2-3 Generationen Nachkommenschaft pro Jahr.
Die Schäden führen insofern zu einem quantitativen und qualitativen Verlust der direkten und indirekten Produktion, als die Traube dadurch auch für Fäulnis-Attacken anfällig wird.
Traditionell wird dieser Schädling mit Insektiziden bekämpft, aber bei massivem Befall können sich auch wiederholte Behandlungen als wenig wirksam erweisen.
Um den Einsatz von Insektiziden so weit wie möglich zu verringern oder sogar ganz zu beseitigen, weil sie mit der Zeit zu Ungleichgewichten im Ökosystem Weinberg führen können und die Populationen von nützlichen Insekten reduzieren, den Konkurrenten der Schädlingen, gab es in letzter Zeit ein wachsendes Interesse für die Paarungsstörung. Sie besteht aus dem Einsatz im Weinberg von Diffusoren der Sexualpheromone in sehr hoher Konzentration, welche die Männchen des Bekreuzten Traubenwicklers verwirrt und ihnen das Erkennen der weiblichen Signale verunmöglicht. Es kommt daher zu einem Paarungsausfall, wodurch die Inzidenz der nachfolgenden Generationen zerschlagen wird, was diesen Schädling völlig harmlos macht.
Die Verwirrmethode ist wirtschaftlich aufwendig, steht aber absolut im Einklang mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit, die für den Weinbau in der Franciacorta Priorität einnehmen.
Im Jahr 2014 betrug die von der Verwirrmethode betroffene Gesamtanbaufläche rund 500 Hektar und es wird in den nächsten Jahren ein stetiger Anstieg erwartet. Die Arbeit wurde vom Konsortium Franciacorta in Zusammenarbeit mit dem Studienzentrum Agrea koordiniert. Ein effizientes Warnsystem per E-Mail und SMS erlaubte den Winzern in Echtzeit nützliche Informationen über die effektive Konsistenz der Populationen des Traubenwicklers zu übermitteln und die effektive Wirksamkeit des Verfahrens zu bestätigen.