Ursprung und Geschichte

Die Geschichte Eine Geschichte, deren Wurzeln weit zurück reichen. In der Franciacorta kelterte man bereits im 16. Jahrhundert Weine „mit Biss“ und Stillweine, jedoch nur für den lokalen Verbrauch. Wechselhafte Ereignisse beim Weinbau und bei der Vermarktung verliehen ihnen jedoch keinen Glanz. Die Neugeburt der Önologie in der Franciacorta findet in den späten 50er Jahren statt, als man das Potenzial der Region erkannte und begann, geeignete Grundweine zur Schaumweinherstellung zu produzieren. Im Jahr '67 kam es zur Anerkennung der Ursprungsbezeichnung Franciacorta, gefordert von einer kleinen Gruppe von Winzern, die durch die neuen italienischen Gesetze in Sachen Ursprungsbezeichnung ermutigt worden waren. Der „Pinot di Franciacorta“ DOC wurde aus Weißburgunder-Trauben mit der Möglichkeit der Zugabe von Grau- und Spätburgunder gekeltert, mit natürlicher zweiter Gärung in der Flasche oder im Tank. Der Anfang der 70er Jahre war Schauplatz einer großen Erneuerung in der italienischen Önologie. Die Franciacorta hatte bereits ihre solide Grundlage aufgebaut, um mit der Herstellung von qualitativ hochwertigen Erzeugnissen zu starten. Erste Unternehmer begannen, in der Franciacorta Land zu kaufen und das Gebiet mit Weinbergen zu bereichern, in denen sie in Eigenproduktion gute Weine für sich und ihre Freunde keltern konnten. Aber offenbar vertragen sich zufällige Ergebnisse schlecht mit dem lombardischen Charakter und die Weingüter wurden bald in ein „önologisches Labor“ umgewandelt. Zehn weitere Winzer schlossen sich der ersten historischen Gruppe an. Man konnte zwar noch im Stahltank versekten, aber schon damals bevorzugten die meisten Hersteller die viel anspruchsvollere klassische Flaschengärung. Die 80er Jahre waren die Zeit der Unternehmer, die auf der Suche nach neuen oder zu modernisierenden Weinbergen in die Franciacorta kamen, die den Geist und die Mittel zum Start und den Erfolgswillen besaßen, auch wenn die Önologie zunächst nicht ihr Fachgebiet war. Ganz im Gegenteil, sie hatten das große Verdienst, sich sofort Önologen und Spezialisten anzuvertrauen, welche die Produktqualität entscheidend aufzuwerten wussten. Es war die Zeit, als sich der Chardonnay vom Weißburgunder befreite und sich seine perfekte Harmonie mit dem Gebiet der Franciacorta bestätigte. Im Jahr 1983 waren die anfänglichen 50 Hektar auf 550 Hektar angewachsen und die Umsätze des „Pinot di Franciacorta“ übertrafen eine Million Flaschen. Und die Anzahl der Unternehmen verdoppelte sich erneut. Am Anfang der 90er Jahre wurde das Schutzkonsortium Franciacorta gegründet und hier beginnt die zeitgenössische Ära der Franciacorta und des Franciacorta DOCG.

Girolamo Conforti Ein 1570 in Italien gedruckter Text von Girolamo Conforti mit dem Titel „Libellus de vino mordaci“ (Abhandlung über schäumenden Wein) befasste sich erstmals wissenschaftlich mit der Herstellungsweise von Wein mittels natürlicher Flaschengärung und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper. Conforti, ein Arzt aus Brescia, dessen Studien die Erkenntnisse des berühmten Benediktiner-Abts Dom Perignon vorwegnahmen, unterstrich die bemerkenswerte Verbreitung und den großen Konsum der schäumenden Weine zu jener Zeit, die er als „bissig“ bezeichnete.
Nicht nur: Er beschrieb sie mit dem Know-how eines Degustationsprofis, bis zur Beurteilung „von würzigem oder bissigem Geschmack, der den Gaumen nicht austrocknet, wie die unreifen und herben Weine, und die Zunge nicht weichmachen wie süße Weine“ und listete deren therapeutische Vorteile auf. Nach Conforti, der unter anderem die französische Önologie gründlich kannte, wurden die Franciacorta Weine im Winter schaumiger, während sie in den Sommermonaten Einbußen erlitten.
Der Schaum entstand folglich beim Aufkochen des Mostes oder genauer, bei der Gärung, die auch damals gesteuert werden musste, damit die „gasförmige, leichte und beißende Schlacke“ nicht verloren ging.
Vielleicht begannen aufgrund dieser berühmten Betrachtungen die ersten Hersteller von perlendem Franciacorta Wein, zusätzlich Gerstenkörner zu verwenden, um die Gärung zu verstärken und zu verlängern.

Weinbau in der Antike Auf den Hügeln der Franciacorta wurde die Weinrebe schon in lange zurückliegenden Zeiten angepflanzt. Ein Beweis dafür sind die Funde von Traubenkernen aus prähistorischer Zeit sowie von archäologischem Material aus der gesamten Region, zusätzlich zu mehreren Zeugnissen klassischer Autoren, von Plinius über Columella bis zu Virgil, und wir wissen auch von Völkern, die die Franciacorta besiedelten, die wir auch durch historiographische Zeugnisse kennen: keltisch-gallische Cenomanen, Römer und Langobarden.
Das am häufigsten vorkommende Material ist römischen Ursprungs und besteht hauptsächlich aus Grab- und Gedenkinschriften ​​sowie Meilensteinen. Außergewöhnlich ist der archäologische Fund eines großen, aus Erbusco stammenden Tempel-Architravs, der nach Brescia gebracht wurde und heute sichtbar, eingemauert in der Fassade des Palazzo Monte di Pietà, an der Piazza della Loggia steht. Die Römer haben in vielen Ortsbezeichnungen und Ortsnamen ihre Spuren hinterlassen: Die Namen Cazzago und Gussago lassen sich von römischen Geschlechtern ableiten.

Besonders interessant und zweckmäßig für die Gestaltung der Kulturlandschaft und für die Bedeutung der Präsenz des menschlichen Wirkens ist der große Beitrag von Gabriele Archetti über „Weinberge und Wein im Mittelalter: Das Modell der Franciacorta (X.-XV. Jahrhundert)“.

Die Nachforschungen des Archetti in dem Gebiet zwischen den Flüssen Mella und Oglio machten es möglich, eine Karte des Weinbaus im frühen Mittelalter zu zeichnen, dessen Auswirkungen im Laufe der Jahrhunderte zu untersuchen, die verschiedenen Rebsorten, Hektarerträge, Anbautechniken, die von den Bauern bei landwirtschaftlichen Arbeiten und im Weinkeller verwendeten Werkzeuge zu identifizieren und schließlich die Weinpreise, die Arbeitskosten der Landarbeiter oder Handwerker und die gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz der Rebe und des Weinhandels nachzuvollziehen.
Die Geschichte der Franciacorta wurde stark durch die Präsenz großer klösterlicher Einrichtungen geprägt, die hier bereits vor der Jahrtausendwende große Besitztümer hatten und ein bedeutsames Werk der Urbarmachung, Trockenlegung und des Landbaus unternahmen. Unter den aktivsten war das Frauenkloster von San Salvatore (später der heiligen Julia von Brescia gewidmet), das durch den langobardischen König Desiderius und seine Gemahlin Ansa im Jahr 753 gegründet worden war. Deren Besitztümer in der Franciacorta sind vom Polyptychon von Santa Giulia und einem antiken Kodex aus der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts dokumentiert. In der gleichen Zeit gab es zahlreiche weitere Klosterhöfe, darunter jene von Clusane (Cluniazienserkloster), Colombaro (Zelle der heiligen Maria), Timoline (Hof der heiligen Julia), Nigoline (Hof der Heiligen Euphemia), Borgonato (Hof der heiligen Julia), Torbiato (Hof der Klöster von Verona und S.Faustino von Brescia).

Das erste Dokument, das uns von nach Franciacorta verlegtem, dem Kloster San Salvatore in Brescia gehörenden Grundbesitz berichtet, stammt aus dem Jahr 766. Es handelt sich um die Urkunde, mit der Adelchi, der Sohn des Desiderio, im Einvernehmen mit seiner Gemahlin Ansa, die Schenkung „Pro Remedio Animae“ an das Kloster veranlasste, das erst wenige Jahre zuvor auf Initiative seiner Mutter gegründet worden war.
Vor dem 10. Jahrhundert bleibt unser Wissen über die Verbreitung des Weinbaus und des Bestands allerdings knapp und bruchstückhaft, obwohl einige Ortschaften bereits in der Römerzeit eine intensive Weinbautätigkeit gekannt haben mussten. In einem Dokument vom 7. April 884 übte das Kloster Santa Giulia die „Undatio fluminis in Caput Ursi“ aus, d.h. für das Durchgangsrecht zu dem Fluss Po in Caorso im Gebiet von Piacenza erhielt es Gewürze, Salz und Öl, während das Kloster Rot- und Weißwein in seine Besitztümer in den Gebieten von Cremona und Piacenza sowie bis nach Rieti beförderte.
Die Dokumente aus dem IX. und insbesondere aus dem X. und XI. Jahrhundert, wie aus dem Altarbild von Santa Giulia, aus den Karten von Leno und anderen großen städtischen Klosteranlagen hervorgeht, bezeugen eine vielerorts verbreitete Anpflanzung der Rebe und sind bezeichnend für die Kontinuität des Weinanbaus in der Franciacorta, ebenso nachgewiesen durch bedeutende archäologische Funde in der Umgebung seit der Spätantike bis ins Hochmittelalter und außerdem begünstigt durch die vorteilhaften Klima- und Bodenbedingungen. Eine Kontinuität, die laut Gabriele Archetti durch genaue Dokumentierung nachweisbar ist, vor allem durch das julianische Kartenmaterial und die Aufzeichnungen der bischöflichen Güter.

Das herrschaftliche Ursprungsgebiet ist nicht immer frei von Unruhen gewesen: In der Tat fanden gerade die in die Franciacorta geflüchteten Ghibellinen, gemeinsam mit denen aus dem Valcamonica, wertvolle Unterstützung bei den Visconti aus Mailand, mit denen sie sich verbündeten, um gemeinsam die feindlichen Welfen aus der Stadt Brescia zu verdrängen. Die Franciacorta war vollständig durch die Welfen kontrolliert, aber zwei wichtige Ortschaften vor ihren Toren waren fest in der Hand der Ghibellinen: Palazzolo im Westen und Iseo im Norden. In dieser Epoche nahm die ghibellinische Franciacorta - laut Quellen aus dem Averoli-Archiv am Hof der Lantieri in Paratico und später in Capriolo - den im Exil weilenden Dante Alighieri auf, als dieser bei den Herrschaften seiner Zeit nach Gastfreundschaft suchte. Iseo konnte als Vorposten der Federici aus Valcamonica bezeichnet werden, und dies gewährte den im mittleren Westen der Franciacorta verwurzelten welfischen Inseln Sicherheit.

Um das XIV. Jahrhundert fanden unaufhörlich verwickelte und blutige Ereignisse statt: In den Gemeindesatzungen von Brescia jener Jahre finden wir eine lange Liste von Dörfern des ganzen Gebiets, die in diesen Kämpfen praktisch dem Erdboden gleichgemacht wurden („terrae quasi hinabitatae et desertae“- praktisch unbewohnte und verlassene Gebiete), zu denen auch die Namen der Gemeinden Calino und Rodengo zählten. In der Folge formierten sich auch Banden, angeführt von Lokalherren wie den Oldofredi von Iseo oder sogar von Abenteurern wie Francesco Malvezzi, genannt Brisoldo, der eine Burg in Monterotondo und eine in Provezze besaß.
Die Herrschaft von Pandolfo Malatesta markiert einen wichtigen Wendepunkt in dem Gebiet um Brescia im frühen fünfzehnten Jahrhundert, das dank einer ausgedehnten Zeit der Stabilität und aufgrund der Verbreitung neuer Anbautechniken wie der Piantana und der Pergola die Wiederaufnahme der landwirtschaftlichen Tätigkeiten, die Investition von neuem Kapital und der Weinproduktion im hügeligen Vorstadtgebiet und der Franciacorta erlebte. Einige Zeit später schreibt Ottavio Rossi in seinen Erinnerungen: „Dazu gehören Camignone, Calino, Paderno [...] die besten Verdienste stammen vorwiegend aus dem Handel mit Wein. Dort werden hervorragende Rot- und Weißweine sowie liebliche Weine, die wir als lebhaft und süß bezeichnen hergestellt. Es werden Oliven geerntet, aus denen wertvolles Öl erzeugt wird [...]“.
In der Zeit, als die Herrschaft über die Umgebung von Brescia von den Visconti auf die Venezianer überging, tritt die Franciacorta noch einmal in den Vordergrund. Im Frühjahr 1426 wurde In Gussago die Verschwörung der von Pietro Avogadro angeführten welfischen Adligen organisiert, die die Stadt Brescia der venezianischen Republik auslieferten. In dieser Zeitspanne wurden die ersten hohen, quadratischen und mit Zinnen bewehrten Wachtürme erbaut, die so typisch für die Franciacorta sind.

Die Verwaltung des Gebiets der Franciacorta war gegen Ende des 15. Jahrhunderts in sog. „Quadre“, d.h. Bezirke mit eigenem Hauptort aufgeteilt. Die Franciacorta bestand damals aus den „Quadre“ Rovato, Gussago und teilweise Palazzolo. Venedig belohnte die Treue der „Quadre“ Rovato und Gussago mit Privilegien, die in Form der berühmten „herzöglichen Karten“ von 1440, Dokumenten von höchster Bedeutung für die Geschichte der Franciacorta, gewährt wurden. Es war in der Zeit der Söldnertruppen und in der Satzung des Dogen Francesco Foscari (1429), als eine neue geographische Beschreibung der Franciacorta entstand: Eine Gebietsgrenze, die den gegenwärtigen Grenzen entspricht, wie sie aus den am 21. Juli 1967 genehmigten Herstellungsrichtlinien der DOC-Weine der Franciacorta hervorgehen. Die erste Topologie- und Toponomastik-Karte der Franciacorta Region entstammt einer Karte von 1469, Werk eines anonymen Autors, die heute in der Biblioteca Estense in Modena aufbewahrt wird..

Darauf folgten mit kurzen Unterbrechungen bis 1797 weitere Kriegsjahre, in denen die Verschwörer Brescias nach den italienischen Siegen Napoleons die freie Republik proklamierten, der im Jahr zuvor von Mailand über Chiari, Coccaglio, Ospitaletto, friedlich in Brescia eingezogen war. In den Ortschaften der Franciacorta (zunächst Rovato, Calino, Adro und Cazzago) wurden die Banner der Freiheit gehisst und die Insignien der Serenissima zerstört. In dieser Folge von Ereignissen, die unseren Zeiten näherstehen, besaßen in der Franciacorta die Adelsfamilien wie die Oldofredi (aus Iseo), die Sala (aus Gussago), die Lantieri (aus Paratico), die Lana de 'Terzi (aus Borgonato) , die Della Corte (aus Nigoline), der Bargnani (aus Adro), und weiter die Cazzago, Calini, Fenaroli, die, abgesehen von der Stadt, mehr oder weniger in der gesamten Franciacorta über Besitz und Macht verfügten. Mittlerweile wurde das Land weiter bestellt, so dass ein Jesuit aus Rovate, Francesco Terzi Lana, einer der ersten italienischen Wissenschaftler, der sich mit der Technik der Trester-Destillation und folglich mit der Herstellung von Grappa befasste, ein bedeutendes schriftliches Werk als Zeugnis dieser Tätigkeiten hinterließ. Der Initiative des Grafen Ignazio Lana hingegen verdanken wir die Einführung der Seidenraupe in seinen Ländereien in Borgonato und vor allem die Einfuhr der hochwertigen französischen Rebsorten.
Nach dem Ende des 18. Jh. werden in den Landhäusern der friedlichen Hügellandschaft der Franciacorta zahlreiche weltlich-kulturelle Zirkel gegründet, die zu jener Zeit zu neuem Glanz fanden. Was dann folgt, ist die neueste Geschichte der Franciacorta: Tatsächlich nimmt mit den „Novae Curtes“ die jüngste Geschichte des Weinanbaus ihren Anfang. Diese wurden von jungen Landwirtschaftsbetrieben gegründet, die aus Tradition und Innovation ihr bedeutendstes Instrumentarium an Kenntnissen und Experimentierfreudigkeit schmieden.