Geologie und Klima

Möchte man die Franciacorta schematisch darstellen, dann könnte man das mit einem großen Dreieck tun, dessen Spitze im Norden liegt und die südlichen Ufer des Iseosee berührt, die östliche Seite wär begrenzt durch die gebirgigen Hügel von Monticelli Brusati, Ome und Gussago und im Westen vom Monte Alto. Die Grundlinie bildete schließlich der Monte Orfano.
Innerhalb dieses idealen Dreiecks ist die Form des Moränen-Amphitheaters klar und deutlich zu erkennen, das in der Eiszeit (in den geologischen Zeitaltern Sekundär und Tertiär) durch Einwirkung eines großen Gletschers entstand, der sich, aus dem Valcamonica kommend, unmittelbar nach dem Seebecken in zwei Arme verzweigte: ein kleiner im Osten und ein viel größerer und bedeutenderer im Westen.
Das Amphitheater des Iseosees ist im Wesentlichen aus Moränen entstanden und verdankt sein Aussehen den fünf Entwicklungsperioden des Gletschers:

  • idie erste Periode ist von der großen Gletscherausdehnung mit Bildung der ersten Moränenformation gekennzeichnet, mit Ausnahme des Montorfanomassivs, dessen Ursprung aufgrund der tektonischen Bewegungen der Erdkruste mit der Hebung des Meeresbodens zusammenhängt. Die Reste aus dieser Periode bestehen aus unregelmäßigen, nicht allzu großen Erhebungen, wie denen von Paderno Franciacorta. Unter den Erhebungen, die für einige Zeit die Eismasse eng umschlossen, kann man die typischen, alten und jüngeren seitlichen Moränen beobachten;
  • Die zweite Periode ist durch die lange Verweildauer des Gletschers in situ gekennzeichnet, was zur Bildung des höchsten und bedeutendsten moränischen Halbrunds führte. Die linke Seite ist durch die längs der Hänge des Monte Alto, von oberhalb Clusane bis Colombaro angeordneten Moränen und teilweise durch den hohen Hügel westlich von Nigoline vertreten. Der rechte Bereich ist besonders typisch und besteht aus der Hügelkette, die von Fontane aus Provezze über Monte Martinello und Monte di Fantecolo, von S. Giorgio Monterotondo bis nach Bornato reicht. Die Endmoräne ist ein großartiger Bogen, der sich von Adro zwischen Torbiato und Erbusco bis Calino erstreckt. Der vordere und linke seitliche linke Bereich des Iseo Amphitheaters wird praktisch genau durch die Franciacorta dargestellt;
  • die drei nachfolgenden Perioden sind vom Rückzug des Gletschers aus der Ebene von Brescia und der anschließenden Freisetzung einer großen Menge von Moränenmaterial geprägt, die dann im Lauf der Zeit mit fruchtbarer Erde bedeckt wurden und zu den sanften Hügeln der Franciacorta wurden.
Es handelt sich um sehr spezifische Böden, reich an Sand und Schlick, in der Regel von niedrigem Lehmgehalt und oft von großer Dicke und hoher Durchlässigkeit. Eine Vielzahl von Steinen von vielerlei Art, Farben und Formen sind chaotisch in dem Boden verteilt. Seit Jahrhunderten dienen sie als Baumaterial für Villen, Bauernhäuser und Broli, die charakteristischen Steinmauern, von denen Häuser und Weinberge umgeben sind.
Die Moränendepots sind in Reihen von kleinen gewellten Hügeln angeordnet, die manchmal auch höher herausragen und dann als Berge bezeichnet werden können.
Der Moränen-Boden der Franciacorta (allochthone Böden) zeichnet sich grundsätzlich durch einen enormen Reichtum an zusätzlichen Mineralstoffen aus, die sich von denjenigen, die nur von den vor Ort vorhandenen Felsen stammen (autochthone Böden) unterscheiden. Dieser Reichtum stellt die Grundlage für einen Weinbau von hoher Qualität dar. Die Weinrebe, eine ausdauernde Pflanze mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von mindestens 30 bis 40 Jahren oder mehr, benötigt zum guten Wachstum und zur besten Entwicklung ihrer Eigenschaften große Mengen an Stoffen, die auch reich an Mikro- und Mesoelementen sind; diese könne zwar nicht direkt in hohen Mengen absorbiert werden, sind jedoch als Katalysatoren der Reaktionen besonderer Biosyntheseprozesse, wie zum der Vorläufer von Geruchs- und Geschmacksstoffen, von grundlegender Bedeutung sind.

Die Franciacorta liegt am äußersten nördlichen Rand der Poebene und fügt sich gleichzeitig in das voralpine System südlich des Iseosees. Sie wird zwar von einem kontinentalen Klima beeinflusst, die Temperaturen erfahren aber durch die Nähe des Iseosees im Sommer wie im Winter eine enorme mildernde Wirkung. Als zusätzlicher Beweis hierfür gilt die Vegetation der Franciacorta, die stellenweise typisch mediterran ist, mit spontanen und eingebürgerten oder leicht kultivierbaren Pflanzenarten wie zum Beispiel dem Olivenbaum. Klimawissenschaftler zählen dieses Gebiet zu den insubrischen mesoklimatischen Regionen.
Im Sommer wird die für die Ebene typische, zeitweise schwüle Hitze, durch kühle Brisen, die über den See aus dem Vallcamonica kommen, gemildert. Auch im Winter ist es der See, der das Moränen-Amphitheater schützt, diesmal vor der eisigen Luft aus dem Valcamonica. Der See dient als Wärmespeicher und die kalte Luft aus dem Norden wird um ein paar Grad erwärmt, bevor sie weiter nach Süden in die Franciacorta gelangt.
Die Präsenz des Sees und der Torfmoore trägt im Sommer zum Aufbau von großen Massen von Feuchtigkeit bei. Unter diesen Bedingungen führt der Kontrast dieser Massen mit den kalten Strömungen, die aus den Alpentälern kommen zu Gewittern, die in Frühjahr und Sommer häufig sein können. In der Vegetationsperiode der Rebe (April - Oktober) beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge 500 bis 600 mm, was etwa 2/3 des Jahreswerts entspricht.