Geschichte

Auf den Hügeln der Franciacorta hat der Anbau von Reben uralte Wurzeln, wie die Funde von Traubenkernen aus prähistorischen Epochen und die Schriften von klassischen Autoren wie Plinius, Columella und Virgil belegen. Das reichhaltige archäologische Material aus prähistorischer Zeit, wie zum Beispiel die aufgefundenen Reste von Pfahlbauten im Bereich der Torfmoore des Iseosees, erzählt wie sich hier primitive Völker ansiedelten, die nach und nach von den gallisch-keltischen Cenomanen, Römern und Langobarden abgelöst wurden.
In der Franciacorta wurden schon immer Weinreben angebaut. Dort wuchsen von der Römerzeit zur Spätantike bis ins Hochmittelalter Weinberge auch aufgrund der günstigen klimatischen und pedologischen Bedingungen. Trotz Höhen und Tiefen hat der Weinbau in diesen Gebieten nie aufgehört.

Die Klosterhöfe Die Geschichte der Franciacorta wurde stark durch die Präsenz großer klösterlicher Einrichtungen geprägt, die hier bereits vor der Jahrtausendwende große Besitztümer hatten und ein bedeutsames Werk der Urbarmachung, Trockenlegung und des Landbaus unternahmen. Unter den aktivsten war das Frauenkloster von San Salvatore (später der heiligen Julia von Brescia gewidmet), das durch den langobardischen König Desiderius und seine Gemahlin Ansa im Jahr 753 gegründet worden war. Deren Besitztümer in der Franciacorta sind vom Polyptychon von Santa Giulia und einem antiken Kodex aus der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts dokumentiert. In der gleichen Zeit gab es zahlreiche weitere Klosterhöfe, darunter jene von Clusane (Cluniazienserkloster), Colombaro (Zelle der heiligen Maria), Timoline (Hof der heiligen Julia), Nigoline (Hof der Heiligen Euphemia), Borgonato (Hof der heiligen Julia), Torbiato (Hof der Klöster von Verona und S.Faustino von Brescia).
Das erste Dokument, das uns über Besitztümer des Kloster San Salvatore in Brescia in der Franciacorta berichtet, das später zum Kloster Santa Giulia wurde, stammt aus dem Jahre 766. Es handelt sich um die Urkunde, mit der Adelchi, Sohn des Königs Desiderius, dem Kloster sämtliche vom Großvater Verissimo und von den Onkeln Donnolo und Adelchi ererbten Güter als Schenkung überlässt, darunter auch einige Besitzungen in diesem Gebiet.

Zwischen Ghibellinen und Welfen fand Dante in Paratico Zuflucht Zur Zeit der Signorien war die Franciacorta ganz von den Guelfen kontrolliert, aber zwei wichtige Ortschaften vor ihren Toren waren fest in der Hand der Ghibellinen. Dort fand am Hof der Lantieri in Paratico und später in Capriolo der in der Verbannung lebende Dante Alighieri Zuflucht. Es waren äußerst blutige Jahre, voller Streit und Intrigen, denen die Herrschaft des Pandolfo Malatesta ein Ende bereitete: Dank einer längeren Zeit der Stabilität wurden die landwirtschaftlichen Tätigkeiten wieder aufgenommen und der Weinbau blühte erneut. In der Zeit, als die Herrschaft über die Umgebung von Brescia von den Visconti auf die Venezianer überging, tritt die Franciacorta noch einmal in den Vordergrund. In Gussago wurde nämlich im Jahr 1426 die Verschwörung der welfischen Adligen organisiert, die die Stadt Brescia der venezianischen Republik auslieferten. In dieser Epoche wurden die ersten hohen, quadratischen und mit Zinnen bewehrten Wachtürme erbaut, die bis heute so typisch für die Franciacorta sind. Das Gebiet der Franciacorta war gegen Ende des 15. Jh. in die 3 „Quadre“ (Distrikte mit eigener Hauptstadt) Rovato, Gussago und einem Teil von Palazzolo aufgeteilt.

Die Historiker sind sich einig, dass das erste Auftauchen des Namens „Franzacurta“ auf das Jahr 1277 zurückgeht, im Gemeindestatut von Brescia als Hinweis auf das Gebiet südlich des Iseosees, zwischen den Flüssen Oglio und Mella. Die Franzacurta oder Franzia Curta war damals ein wichtiges Gebiet für die Versorgung der Stadt Brescia, aber auch der Dörfer der Valcamonica und Valtrompia und im Süden der Städte der Poebene mit Wein.

Die aktuelle geografische Begrenzung der Franciacorta geht hingegen auf eine Urkunde von 1429 des Francesco Foscari, einem Dogen Venedigs zurück, während die älteste erhaltene Karte aus dem Jahr 1469 stammt: Das Werk eines anonymen Autors ist in der Bibliothek der Este von Modena erhalten.

Die Vesper von Rovato Der Zwist zwischen Venedig und Frankreich brachte erneut Krieg in die Franciacorta: 1509 erhob sich die Bevölkerung in einem Aufstand gegen die Franzosen, der beinahe schon legendär geworden ist und ziemlich emphatisch „Vesper der Franciacorta“ genannt wird. Zentrum des Aufstandes war Rovato. Nach den italienischen Siegen Napoleons wurde auch in Brescia die Freie Republik proklamiert und in den Ländern der Franciacorta wurden die Banner der Freiheit gehisst und die Insignien der Serenissima zerstört. Dann kamen die österreichische Herrschaft, die Kämpfe des Risorgimento und der Anschluss an das Königreich Italien.

In einem Bericht des 16. Jahrhunderts des Stadtvogts von Brescia Paolo Correr an den Kaiser, ist außer von den Tälern Valcamonega, Valtrompia und Lasabbio auch von den vier Ländern Pedemonte, Franzacurta, Asolano und Riviera die Rede.